21-05-10 11:31

Das Lichtkreuz setzt einen künstlerischen Akzent im Chorraum der Propsteikirche.


Drei lebensgroße Lichtgestalten - hier: Christus, der sich zerreist - sind neue Werke von Ludger Hinse.

„Die Schönheit provoziert“

Lichtinstallationen zum Kulturhauptstadtjahr in der Propsteikirche St. Augustinus


„Licht kommt in die Welt“ ist eine Ausstellung des Recklinghäuser Künstlers Ludger Hinse überschrieben, die am Samstag, 22. Mai, in der Gelsenkirchener Propsteikirche St. Augustinus eröffnet wird. Bis zum 31. Juli werden ein Lichtkreuz, Lichtinstallationen sowie die Dokumentation „Weg der Kreuze durch NRW – Die Kreuzinstallationen 2007 bis 2009“ zu sehen sein. Darüber hinaus gibt es während der Ausstellungszeit besondere Gottesdienste und Aktionen.

Die Ausstellung ist ein Programmbeitrag der Propstei St. Augustinus Gelsenkirchen zum Kulturhauptstadtjahr. Als „Spirituelle Kulturtankstelle“ setzt die Propsteikirche über das ganze Jahr hinweg eigene Akzente mit sakraler Kunst und Kultur.

Im Mittelpunkt steht das bereits 2007 vielbeachtete Lichtkreuz. Im Brechen des Lichts, das sich im Tageslauf stets ändert, spiegelt es die Wandlungen des Lebens: Leiden, Sterben und Auferstehen.

„Vor drei Jahren habe ich geglaubt, dass Kreuze zum Thema Leid die größte Provokation darstellen. Das war ein Irrtum“, berichtet Ludger Hinse von Erfahrungen im Rahmen des Projektes  „Das Kreuz mit dem Kreuz“. 145.000 Menschen besuchten von 2007 bis 2009 die insgesamt 77 Ausstellungen in 21 Kirchen, darunter auch in der Propsteikirche in Gelsenkirchen – das bisher größte in Nordrhein-Westfalen realisierte Kreuzprojekt. Heute weiß Hinse: „Schönheit ist eine viel größere Provokation. Das Lichtkreuz erzeugt große Zustimmung, aber auch starke Ablehnung.“ Das etwa zwei Meter große dreidimensionale Kreuz, gefertigt aus einem beschichteten Spezialglas, hängt im Chorraum der Propsteikirche. Es dreht sich bei Luftzügen und wechselt seine Farben je nach Lichteinfall. „Die Menschen setzen sich positiv damit auseinander.“

Drei lebensgroße Lichtgestalten bilden das künstlerische Pendant im Bereich der Orgelbühne. Auf Kunstglas zeigen sie Christus, der sich zerreist, Christus am Kreuz und Christus, der  in den Himmel fliegt.

„Für jeden bildenden Künstler ist Licht das Thema. Für die Kirche soll es  das auch sein“, erklärt Ludger Hinse. Das Johannesevangelium strotze nur so vor Licht. Seit dem 11. Jahrhundert dominiere jedoch das Thema Leid. „Wir haben über Jahrhunderte eine Überbetonung der Sünde und eine Unterbetonung des Lichts“, erklärt der Katholik seinen künstlerischen Ansatz. „Der Mensch darf sein Licht leuchten lassen, darf andere anstecken. Das ist eine frohe Botschaft in schwieriger Zeit.“

Begleitet wird die Ausstellung durch eine Reihe von Gottesdiensten und Veranstaltungen. Der Sachausschuss Jugend im Gemeinderat organisiert einen Fotowettbewerb für Jugendliche, in denen sie sich mit dem Thema Licht auseinandersetzen. Am Mittwoch, 23. Juni, um 20:00 Uhr findet zum Fest Johannes des Täufers eine Vigilfeier unter dem Thema „Licht am Abend“ statt. Am 20. und 27. Juli öffnet die Propsteikirche jeweils schon um 7:30 Uhr. Unter dem Titel „Licht kommt in den Tag – Licht kommt in die Welt“ erleben Besucher das wechselhafte Farbenspiel von Lichtkreuz und Kirchenfenstern. Ein gemeinsames Morgengebet und Kaffeetrinken schließt sich an.